formlos - problemlos - aussichtlos!
Spanien leidet unter einem überregulierten Mietrecht, das die meist privaten Wohnungseigentümer von einer Vermietung abschreckt. Auf die Ausführungen auf https://www.prof-mueller.net/spanien/
wird verwiesen, die auch auf https://tkp.at/2025/08/06/trotz-wohnungsnot-477-mio-leerstehende-wohnungen-in-spanien/ veröffentlicht wurden. Wenn 17,9 % aller Wohnungen nicht benutzt werden, und
nur 11,2 % des Wohnungsbestandes vermietet ist, dann sollte man die Eigentümer zur Vermietung motivieren statt sie weiter zu verschrecken. Die spanische Linke setzt aber auf enteignungs-ähnliche
Maßnahmen.
Ich habe in dieser Sache eine Programmbeschwerde gegen den Hessischen Rundfunk zur Sendung „Weltspiegel - Wer rettet Mallorca" vom 30.6.25 laufen. Der Verfasser hatte die Parolen der Linkspartei,
dass die Ausländer den Spaniern die Wohnungen wegnehmen (siehe auch https://ansage.org/spanien-den-spaniern-touristen-raus/ vom 30.06.2024) wiederholt und nicht berücksichtigt, dass es lt.
spanischem Statistikinstitut (INE) selbst in Palma de Mallorca zum letzten Stichtag 12.511 nicht benutzte Wohnungen, 6,7 % des Bestandes, gab. Auf den Balearen waren es insgesamt 119.098 oder
18,3 %; in ganz Spanien 4.769.944 oder 17,9 % des Bestandes. Die Ausländer kaufen leere Wohnungen, die die Eigentümer wegen des vermieterfeindlichen Mietrechts nicht vermieten wollen; was der HR
ebenso wie die Zahlen verschwiegen hatte. „Eine Desinformation liegt vor, wenn sie nach objektiven Maßstäben inhaltlich unzutreffend ist, der Urheber dies weiß und sie dennoch mit dem
Ziel der Beeinflussung verwendet. Gleiches gilt für das Verschweigen wesentlicher Teile einer Information.“
(https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/glossareintraege/DE/D/desinformation.html)
Auf dieser Seite werden die verschiedenen Aussagegen in umgekehrter Reihenfolge (letzte zuerst) dargestellt.
19.12.25
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Entscheidung des Programmausschusses Fernsehen vom 12.12.25 zur Sendung ,,Weltspiegel - Wer rettet Mallorca" (vom 30.6.25) wird hiermit widersprochen und eine Entscheidung des Rundfunkrates
beantragt. Es wird beantragt, der Beschwerde vom 07.08.25 stattzugeben.
G r ü n d e :
Die Aussagen der angefochtenen Entscheidung vom 12.12.25 sind unzutreffend. Die beanstandete Sendung war einseitig und verunglimpft indirekt Deutsche und andere Ausländer, die sich auf Mallorca
eine Immobilie kaufen.
Es kann nicht ernsthaft bestritten werden, dass das Schlusswort der beanstandeten Dokumentation keine objektive Feststellung war, sondern ein Glaubensbekenntnis. Eine 32 Jahre alte Prognose, die
in dieser langen Zeit nicht eingetreten ist, muss einem neutralen Betrachter als durch die Wirklichkeit widerlegt angesehen werden. Dass der Verfasser sie trotzdem als Beleg dafür anführt, dass
die bisher nicht eingetretene Zerstörung der Existenzgrundlage der Insel durch den Tourismus jetzt aber wirklich unmittelbar bevorstehen soll, kann nur als Beleg für eine ideologische
Verbohrtheit gewertet werden. Damit hat er sich selbst und damit auch seine Dokumentation als einseitig diskreditiert.
Es kann nicht ernsthaft bestritten werden, dass die öffentlich-rechtlichen Medien unabhängig von der konkret kritisierten Sendung sehr wohlwollend über die ausländerfeindlichen Proteste auf
Mallorca und anderswo in Spanien berichten, sofern sie sich gegen Deutsche und Briten und nicht wie in Torre Pacheco gegen Afrikaner richten. Würden vergleichbare Demonstrationen in Deutschland
mit der Forderung stattfinden, wegen der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt die Zuwanderung zu stoppen, würden diese von den öffentlich-rechtlichen Medien sofort mit der Nazi-Keule
bearbeitet.
Es kann nicht ernsthaft bestritten werden, dass die große Zahl der unbenutzten und sporadisch genutzten Wohnungen in Spanien eine relevante Größe bei der Beurteilung der angespannten Lage auf dem
Mietwohnungsmarkt ist, und dass die beanstandete Dokumentation diese relevante Frage verschwiegen hat. Einem in Spanien lebenden Auslandskorrespondenten musste sie aber bekannt sein, denn er kann
wie jeder andere Deutsche die vielen „se vende“-Schilder in den Fenstern vieler Wohnungen nicht übersehen haben. Dass er die Pressemitteilung des INE zum Wohnungsleerstand zunächst zunächsst als
unwichtig angesehen hat, ist nachvollziehbar. Bei einer sorgfältigen Recherche zu seiner Dokumentation hätte er sich aber an sie erinnern oder sie mindestens im Internet finden müssen - so wie
der Beschwerdeführer sie gefunden hat. Die Weglassung dieser relevanten Information muss deshalb als „bedingt vorsätzlich“ (bei der einseitigen und unsorgfältigen Recherche hat der Verfasser
billigend in Kauf genommen, relevante Tatsachen außerhalb seines Tunnelblicks zu übersehen) und nicht nur als grob fahrlässig eingeschätzt werden.
Eine relevante und vom Verfasser der Dokumentation unterschlagene Information ist auch das Vermieter-feindliche spanische Mietrecht, das die überwiegend privaten Wohnungseigentümer (meist Erben
von Eigentumswohnungen, die selbst ein Haus haben) von einer Vermietung abschreckt und damit überwiegend den Mangel an Mietwohnungen verursacht hat. Eine Mobilisierung der leerstehenden Wohnungen
würde die Anzahl der Mietwohnungen schlagartig verdoppeln und das Wohnungsproblem lösen. Die Stoßrichtung der vom Umfeld der spanischen Linkspartei organisierten ausländerfeindlichen Proteste
ist, das bereits stark über-regulierte spanische Mietrecht mit enteignungs-ähnlichen Eingriffen weiter zu reglementieren und die privaten Wohnungseigentümer zu einer verlustbringenden Vermietung
ihrer Immobilien zu zwingen.
Die angegriffene Entscheidung des Programmausschusses Fernsehen geht auch sonst nicht wirklich auf die Programmbeschwerde de Beschwerdeführers ein. So wurde wahrheitswidrig behauptet: „Ihre
statistischen Ausführungen sind detailliert, beziehen sich allerdings alle auf ganz Spanien und greifen hier nicht, denn die Dokumentation fokussiert - schon explizit im Titel - sehr deutlich auf
Mallorca und nicht auf ganz Spanien.“ Richtig ist dagegen, dass ausgehend von den Feststellungen des Nationalen Statistikinstituts mit unbenutzten Wohnungen im Umfang von 17,9 % des
Wohnungsbestandes in ganz Spanien auf einem noch größeren relativen Leerstand auf den Balearen (Mallorca ist die größte Insel dieser Inselgruppe) von 18,3 % und immerhin noch 6,7 % in der
Inselhauptstadt Palma de Mallorca hingewiesen wurde. Von den zwei Sätzen aus dem Schreiben vom 15.09.25, „Die Balearen haben eine Leerstandsquote von 18,3 % und eine Vermietungsquote von immerhin
15,9 %. Nur in der Provinzhauptstadt Palma de Mallorca ist der Leerstand mit ,nur' 6,7 % relativ niedrig, im 20 km entfernten Calvià aber mit 25,2 % überdurchschnittlich hoch. Nur Palma und
Marratxí haben einstellige Leerstandsquoten; Formentera, Sencelles und Costitx haben sogar über 40 %.“, kann man nicht ernsthaft behaupten, diese würden sich auf ganz Spanien beziehen. Dieser
Vorwurf entbehrt also jeder Grundlage und belegt, dass die Programmbeschwerde des Beschwerdeführers mit unwahren Behauptungen abgewimmelt werden sollte.
Der Behauptung in der angefochtenen Entscheidung, „Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass die Dokumentation explizit weder eine Anklage darstellt noch eine ,Schuldfrage' verfolgt, ... Auch dem
Vorwurf von Einseitigkeit können wir nicht folgen - es wurden Positionen abgebildet ohne Partei zu ergreifen, die Gegenseite wurde ausdrücklich gehört.“ wird widersprochen. Die Dokumentation
erhebt vielleicht nicht explizit, wohl aber implizit eine Anklage gegen Ausländer, die sich auf Mallorca eine Immobilie kaufen. Die beanstandete Dokumentation ergreift faktisch Partei für die
Mieter, weil sie die als Opfer darstellt. Ein deutscher Notar, der Immobilienkäufe beurkundet, kann nicht als „die andere Seite“ angesehen werden. Dass der Verfasser dies offensichtlich aus der
Aussage des Notar-Anwalts abgeleitet hat, er habe als Notar das geltende Recht anzuwenden und als Anwalt die Interessen seiner Mandanten zu vertreten, lässt auf eine gestörtes Verhältnis des
Verfassers der beanstandeten Sendung zum Rechtsstaat schließen. Die andere Seite wäre nur dann gehört worden, wenn man deutsche Käufer oder mallorcinische Verkäufer mit dem Vorwurf konfrontiert
hätte, sie würden einheimischen Mietern die Wohnung wegnehmen. Ein Notar ist dagegen zur Neutralität verpflichtet und nicht Partei. Die Gegenseite wurde also nicht gehört!
Die Aussage der angefochtenen Entscheidung „Sie argumentieren, dass sich die Häuser, um die es in dieser Preisklasse geht, die ,Normalbürger' sowie nicht leisten könnten - dies trifft zwar zu;
diese Preisentwicklung setzt sich aber nach unten fort - Bewohner, die sich diesen Wohnraum nicht - mehr - leisten können, benötigen Wohnraum in einem niedrigeren Preissegment und so weiter.“ ist
schon aus sich heraus völlig unlogisch. Wie sollen Normalbürger aus einem Preissegment verdrängt werden, in dem sie sich noch nie bewegt haben? Dem Beschwerdeführer als Wirtschaftswissenschaftler
ist ein solcher virtueller Verdrängungsmechanismus völlig fremd. Auch umgekehrt kann es zu keiner Verdrängung kommen, denn die international beweglichen Käufer aus dem Luxussegment, die „nur“ 1
Mio. statt 3 Mio. EUR für ein Luxusanwesen bezahlen können, werden sich einen billigeren Ort aus der „Zweiten Liga“ suchen, statt sich mit einem einfachen Einfamilienhaus ohne Pool und
Tennisplatz zu begnügen. Es verdrängt also in diesem Markt niemand niemanden, schon gar keine Mieter.
Selbst die verfallenden Bauernhäuser im Außenbereich der Gemeinden, die teilweise von Ausländern aufgekauft werden, um sie mit einer kreativen Auslegung des Baurechts (Neubauten würden dort nicht
genehmigt) mit dem Ziel der Schaffung eines Luxusanwesens zu renovieren, lösen keine Verdrängung aus. Sie sind vorher unbewohnt und wenn Ställe zu Wohnräumen ausgebaut und ein baurechtlich
genehmigtes Wasserreservoir in einer Weise renoviert werden, dass es anschließend wie ein Swimmingpool aussieht, hat das keine Auswirkung auf den Wohnungsmarkt; lediglich positive Effekte am
Arbeitsmarkt und das lokale Volkseinkommen. Beim Verfasser der Dokumentation stärken solche Immobilien aber vielleicht seine Neidgefühle und sein Feindbild der „bösen Deutschen“, die in Spanien
ihren Ruhestand genießen wollen, während „gute Deutsche“ in Deutschland von Sozialleistungen leben und Pfandflaschen sammeln.
Auch ignoriert die lapidare Bemerkung von der angeblichen Verdrängung von Mietern durch Ausländer alle Feststellungen aus dem bisherigen Vortrag des Beschwerdeführers. Es wurde von ihm dezidiert
dargelegt, dass es in Spanien keine Durchlässigkeit zwischen dem Mietwohnungsmarkt einerseits und den zum Verkauf stehenden sowie kurzzeitig als Ferienwohnungen vermieteten Immobilien
andererseits gibt. Reglementierungen der zweiten Gruppe mit dem Ziel der Verhinderung der Kurzzeitvermietung und der Verkäufe an Ausländer würden wegen des Vermieter-feindlichen Mietrechts die
Leerstände und nicht die Vermietungen erhöhen.
Der Aussage aus der angefochtenen Entscheidung „Gleichzeitig setzt das Gesetz die Hürden für die Stattgabe einer Programmbeschwerde sehr hoch an, da damit stets ein Eingriff in die Meinungs- und
Rundfunkfreiheit nach Artikel 5 Grundgesetz einhergeht.“ soll an dieser Stelle eine Aussage des Bundesamts für Verfassungsschutz gegenübergestellt werden: „Eine Desinformation liegt vor, wenn sie
nach objektiven Maßstäben inhaltlich unzutreffend ist, der Urheber dies weiß und sie dennoch mit dem Ziel der Beeinflussung verwendet. Gleiches gilt für das Verschweigen wesentlicher Teile einer
Information.“ (https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/glossareintraege/DE/D/ desinformation.html) Die beanstandete Dokumentation hat wesentliche Teile der Problematik bedingt vorsätzlich
verschwiegen, um die öffentliche Meinung in Fortsetzung der positiven Berichterstattung über die ausländerfeindlichen Proteste auf Mallorca zu beeinflussen und um Verständnis für anti-deutsche
Stimmungen zu werben. Die über den hergestellten Zusammenhang implizit aufgestellte Behauptung, ausländische Immobilienkäufer seien für den Mangel an Mietwohnungen verantwortlich, ist nach
objektiven Maßstäben inhaltlich unzutreffend. Selbst die angefochtene Entscheidung stellt fest, dass sie explizit nicht aufgestellt wurde. Damit ist wohl unstrittig, dass sie falsch
ist.
Es ist interessant, dass die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren Faktencheckern bei jeder fundamental-regierungskritschen Äußerung behaupte, das es sich um Desinformation handele und diese
nicht von Art 5 GG geschützt sei, während die öffentlich-rechtliche Desinformation jetzt doch verfassungsrechtlich geschützt sein soll.
Aus den vorstehenden Gründen ist die Entscheidung nicht haltbar und der Programmbeschwerde ist stattzugeben.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Werner Müller
Beschwerdeverfahren ,,Weltspiegel - Wer rettet Mattorca" (vom 30.6.25)
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Muller,
danke für Ihr kritisches Interesse an den Angeboten des Hessischen Rundfunks. Der Programmausschuss Fernsehen des hr-Rundfunkrats hat sich in seiner Sitzung am 1.12.2025 ausführlich mit Ihrer
Beschwerde vom 7. August 2025 gegen die Dokumentation „Weltspiegel - Wer rettet Mallorca“ und mit dem ganzen Beschwerdevorgang befasst.
Erlauben Sie mir eine Anmerkung vorab: Ablauf und Inhalt des Beschwerdeverfahren des Rundfunkrats sind gesetzlich geregelt. Zu Einsprüchen gegen eine Sendung oder ein anderes Angebot müssen
zunächst Intendanten bzw. Programmverantwortliche die Möglichkeit bekommen, inhaltlich zu prüfen und Stellung zu nehmen. Die Antwort des verantwortlichen Redakteurs sowie die des Intendanten
hatten Sie erhalten.
Mit Ihrer Beschwerde beim Rundfunkrat gegen diesen Bescheid startet ein formal - juristisches Verfahren: Im Rundfunkrat wird geprüft, ob der Beitrag, um den es geht, gegen rechtliche Vorgaben
verstoßen hat, gegen Programmgrundsätze des Medienstaatsvertrags, des Gesetzes über den Hessischen Rundfunk, journalistische Sorgfaltspflichten oder die vorn Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks
beschlossenen Qualitätsrichtlinien.
Die Gremien des hr nehmen Programmbeschwerden sehr ernst. Gleichzeitig setzt das Gesetz die Hürden für die Stattgabe einer Programmbeschwerde sehr hoch an, da damit stets em Eingriff in die
Meinungs- und Rundfunkfreiheit nach Artikel 5 Grundgesetz einhergeht. Daher diskutiert der Rundfunkrat unter Beachtung der Antworten von Intendanten und Redaktion sorgfältig, ob ein Verstoß
vorliegt, und - falls nein - ob die Kritik nachvollziehbar ist. In dem Fall gibt das Gremium Programmverantwortlichen entsprechende Hinweise.
Der Intendant des Hessischen Rundfunks, Herr Florian Hager, hatte sich am 11.9.2025 geäußert und aus unserer Sicht sehr ausführlich, wertschätzend und detailliert zu Ihren Vorwürfen Stellung
bezogen. Der Ausschuss konnte wirklich nicht nachvollziehen, dass Sie das Schreiben des Intendanten, das auf sorgfältigen Recherchen beruhte, als ,,abwimmelndes Verhalten“ aufgefasst haben. Sie
sind vielmehr nach wie vor der Meinung, dass die Markt- und Mietsituation auf Mallorca falsch dargestellt und manipulativ für ganz Spanien nahegelegt wird, Leerstände nicht erklärt,
nicht-spanische Besitzer von Wohneigentum verunglimpft und ausländerfeindliche politische Positionen übernommen wurden.
Da Sie mit der Antwort des Intendanten nicht einverstanden waren hatte sich nach der Satzung für den Rundfunkrat zunächst der sachkundige Programmausschuss Fernsehen nochmals mit Ihrer Beschwerde
zu befassen. Als zuständiger Ausschuss Fernsehen haben wir uns deshalb mit dern gesamten Briefwechsel inklusive der Argumente des Intendanten intensiv beschäftigt, wir haben den Beitrag
angeschaut und den verantwortlichen Redakteur der Sendung dazu angehört.
Lassen Sie mich beispielhaft einen Punkt herausgreifen: Sie argumentieren, dass sich die Häuser, urn die es in dieser Preisklasse geht, die .,Normalbürger sowie nicht leisten konnten - dies
trifft zwar zu; diese Preisentwicklung setzt sich aber nach unten fort - Bewohner, die sich diesen Wohnraum nicht – mehr - leisten können, benötigen Wohnraum in einem niedrigeren Preissegment und
so weiter.
Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass die Dokumentation explizit weder eine Anklage darstellt noch eine .,Schuldfrage“ verfolgt, sondern aus verschiedenen Perspektiven ein Dilemma darstellt,
das entsteht, wenn einerseits Tourismus gewünscht I gebraucht wird, es andererseits aber auch ein Politikversagen unter anderem im Baurecht gibt. Ihre statistischen Ausführungen sind detailliert,
beziehen sich allerdings alle auf ganz Spanien und greifen hier nicht, denn die Dokumentation fokussiert - schon explizit im Titel - sehr deutlich auf Mallorca und nicht auf ganz Spanien. Auch
dem Vorwurf von Einseitigkeit können wir nicht folgen - es wurden Positionen abgebildet ohne Partei zu ergreifen, die Gegenseite wurde ausdrücklich gehört.
Wir haben bei unserer Betrachtung besonderes Augenmerk auf journalistische Sorgfaltspflicht und unabhängige Berichterstattung gelegt. Auch wenn man vielleicht an der ein oder anderen Stelle der
Meinung sein könnte, dass die Berichterstattung auch anders hätte erfolgen können, darf der Rundfunkrat und vorgeschaltet der Programmausschuss nur bei echten Verstößen gegen die journalistischen
Sorgfaltspflichten eingreifen- und ein solcher Verstoß konnte in der Dokumentation nicht festgestellt werden. Ihre Programmbeschwerde weist der ,,Ausschuss Fernsehen namens des Rundfunkrats nach
ausführlicher Befassung zurück und schließt sich der - sorgfältig erarbeiteten - Bewertung des Intendanten an, dass die Sendung der journalistischen Sorgfaltspflicht entspricht und
Programmgrundsätze nicht verletzt werden.
Gegen diese Entscheidung können Sie gemäß § 5 Abs. 3 der Satzung des Hessischen Rundfunks den Rundfunkrat selbst anrufen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Karin Hahne
Vorsitzende des Programmausschusses Fernsehen
An den Rundfunkrat des
Hessischen Rundfunks
Sehr geehrte Damen und Herren,
gegen das abwimmelnde Verhalten des Intendanten vom 11.09.25 (Beleg 2) auf meine Programmbeschwerde vom 07.08.25 (Beleg 1), die auch mit der Nichtbeantwortung meiner Erwiderung vom 15.09.25
(Beleg 3) belegt wird, wird hiermit Beschwerde eingelegt. Auch wenn sein Schreiben vom 11.09.25 keine Entscheidungsformel enthielt ist die Nichtbeantwortung der Erwiderung vom 15.09.25 als
ablehnende Entscheidung zu werten.
Die Fernsehsendung „Weltspiegel Doku: Wer rettet Mallorca?“, am 27.07.25 auf tagesschau24 ausgestrahlt und auf
https://www.ardmediathek.de/video/wer-rettet-mallorca/wer-rettet-mallorca/hr/MDMxOWJjNWitMjhjOS00ZDEwLWFhYzgtNmRhZGEzNTdhODNl mit Angebe des Datums 17.07.25 abrufbar, verunglimpft Deutsche
und andere Nicht-Spanier, die sich auf Mallorca ein Haus oder eine Wohnung kaufen. Obwohl ich mir nicht auf Mallorca, sondern in Andalusien eine Wohnung gekauft habe, fühle ich mit ebenfalls von
der Sendung verunglimpft. Mehr dazu finden Sie im Beleg 1 unter der Zwischenüberschrift „persönliche Betroffenheit“.
Die Sendung missachtet journalistische Mindeststandards, indem sie die Parolen der von der spanischen Linkspartei initiierten ausländerfeindlichen Proteste auf Mallorca und anderswo ungeprüft
aufgreift. Die Unrichtigkeit der Behauptung, die deutsche Käufer würden den spanischen Mietern die Wohnungen wegnehmen, wurde in der Beschwerde vom 07.08.25 (Beleg 1) dezidiert belegt,
insbesondere mit Daten des spanischen Statistikinstituts (INE) belegt. Die Einwände des Intendanten wurden in den Absätzen 8+9 der Erwiderung vom 15.09.25 (Beleg 3) widerlegt.
Ich verlange, dass der Hessische Rundfunk die beleidigenden Behauptungen der beanstandeten Sendung öffentlich zurücknimmt und folgendes klarstellt:
In Spanien wurden lt. einer Veröffentlichung des Instituto Nacionalde Estatística vom 30.06.23 im Jahr 2021 von insgesamt 26.623.708 Wohnungen 4.769.944 Wohnungen nicht genutzt, was 17,9 % des
Wohnungsbestandes entspricht. Auf den Balearen waren es 119.098 von 652.123 Wohnungen oder 18,3 %; selbst in Palma de Mallorca mit seiner angeblichen Wohnungsnot standen noch 12.511 von 186.482
Wohnungen bzw. 6,7 % leer.
In Spanien waren 2021 nur 2.983.619 Wohnungen vermietet, was 11,2 % des Wohnungsbestands entsprach. Auf den Balearen wares es mit 103.526 Wohnungen immerhin 15,9 % und in Palma de Mallorca sogar
39.403 Wohnungen oder 21,1 %. Die Eigentümer leerer Wohnungen sind wegen eines Vermieter-feindlichen Mietrechts nicht bereit, ihre leerstehenden Wohnungen zu vermieten. Dafür können die
ausländischen Käufer leerstehender Wohnungen nicht verantwortlich gemacht werden.
Die ausländischen Käufer leerstehender Wohnungen schädigen die Menschen auf Mallorca nicht, sondern fördern sie. Die Verkäufer erzielen auf Mallorca die dreifachen Verkaufspreise wie in
Urlaubsorten der „Zweiten Liga“ auf dem spanischen Festland. Das stärkt die Kaufkraft der Einheimischen und fördert die Wirtschaft.
Die beanstandete Sendung hat diese Zusammenhänge, die wegen der vielen „zu verkaufen“-Schilder in den Städten und Dörfern auch offensichtlich sind, nicht recherchiert und damit journalistische
Mindeststandards absichtlich oder mindestens grob fahrlässig verletzt.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Werner Müller
15.09.25
Sehr geehrter Herr Hager,
ich danke Ihnen für Ihr Schreiben vom 11.09.25, das ohne Entscheidungsformel und Rechtsmittelbelehrung wohl keine Zurückweisung meiner Programmbeschwerde sein sollte, sondern ein
Diskussionsbeitrag. Darauf will ich gern antworten. Auf das symbolhafte Datum (11. September) bezogen kann ich Ihnen mitteilen, dass Sie meine Kritik nicht zum Einsturz gebracht
haben.
Weil Sie nur überfliegend auf meine konkreten Punkte eingegangen sind, möchte ich in meiner Erwiderung auch mit einem Überflug beginnen:
Zunächst sollten Sie einmal überlegen, wer Ihre Zuschauer sind. Und Sie müssen sich weiter überlegen, wie Ihre Aussagen ankommen, nicht wie sie der Absender gemeint haben könnte.
Die jungen Leute sind längst bei den Privatsendern oder Streamingdiensten. Alte Leute sind für das Werberahmenprogramm der Privaten aber keine interessante Zielgruppe und landen beim
öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR). Sie kaufen die Produkte, die sie schon immer gekauft haben und lassen sich nicht von Werbespots beeinflussen. Wohl deshalb verkauft der ÖRR überwiegend
Werbung der Pharmaindustrie; vielleicht kann man den „Alten“ vor dem ÖRR-Programm Angst vor Krankheiten machen, um wirkungslose freiverkäufliche (wenn sie wirksam wären, wären sie nicht frei
verkäuflich) Arzneimittel anzupreisen. Mit Ihrer Finanzierung aus Zwangsgebühren machen Sie aber kein Programm für ihre Zielgruppe, sondern gegen sie. Vielleicht wollen Sie die „Alten“
umerziehen. Die wollen sich aber von Ihnen nicht belehren lassen.
Mit der Darlegung meiner persönlichen Betroffenheit wollte ich andeuten, dass sich auch andere Babyboomer im Ausland persönlich angegriffen fühlen können. Wie oben erwähnt, ist diese Altersgruppe
Ihre Zielgruppe. Die fridays-for-future-Anhänger sehen Ihre Sendungen ohnehin nicht. Für ein Unternehmen, das seine Produkte am Markt verkaufen müsste, wäre eine solche Kundenbeschimpfung
existenzgefährdend.
Die jungen Alten der Babyboom-Generation, die jetzt in den Ruhestand gehen, sind in ihrer Jugend viel gereist. Wer danach ein entsprechendes Einkommen gehabt hat, hat das auch später getan. Nun
ist die Idee „leben, wo andere Urlaub machen“, für dieses Segment eine Option. Der ÖRR versucht, sie davon abzuhalten. Mallorca als „17. Bundesland“ ist dann nur eine Metapher. Die Insel steht
für das Auswanderungsziel, das der relevanten Gruppe spontan einfällt. Wird diese Insel madig gemacht, könnten - so meine Vermutung zum Motiv der Doku - die jungen Alten in einer frühen Phase
noch von ihrem Plan abgebracht werden. Es kann also nicht isoliert um Mallorca gehen, denn wer sich eingehend informiert, stellt das schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis der Insel wegen des hohen
Preisniveaus auch selbst fest und sucht sich ein anders Ziel.
Das 08/15-Argument, ja nur über die Demonstrationen berichtet und die Parolen zitiert zu haben, könnte allenfalls bei Nachrichtensendungen akzeptiert werden. Ab auch hier ist ein deutlich
unterschiedlicher Unterton zu erkennen, je nach dem über welche Demonstration berichtet wird. Über anti-deutsche Ausländerfeindlichkeit in Spanien wird mit einem verständnisvollen Unterton
berichtet, während eine vergleichbare Demonstration in Deutschland, die die Zuwanderung für die hohen Mieten verantwortlich machen würde, sofort von Ihnen in die rechte Ecke gestellt würde.
Anti-deutsche Ausländerfeindlichkeit ist also gut, anti-afrikanische ist böse!
Bei einer Reportage oder Dokumentation kann das bloße Zitat von Parolen aber nicht akzeptiert werden. Das muss besonders dann gelten, wenn deren Haltlosigkeit offensichtlich ist. Das ist
wegen der Vielzahl der Leerstände hier gegeben. Auf meine Aussage: „Die Balearen haben eine Leerstandsquote von 18,3 % und eine Vermietungsquote von immerhin 15,9 %. Nur in der
Provinzhauptstadt Palma de Mallorca ist der Leerstand mit ,nur' 6,7 % relativ niedrig, im 20 km entfernten Calvià aber mit 25,2 % überdurchschnittlich hoch. Nur Palma und Marratxí haben
einstellige Leerstandsquoten; Formentera, Sencelles und Costitx haben sogar über 40 %.“ sind Sie auch nicht wirklich eingegangen. Ihre Vermutung, die Ferienwohnungen seien Teil des Leerstandes,
überzeugt nicht. Würden sie leerstehen, wären die Betreiber pleite. Der These unseres Ex-Wirtschaftsminister, Unternehmen, die nichts verkaufen würden, seien nicht insolvent, kann ich mich als
Wirtschaftswissenschaftler nicht anschließen. Das INE hat neben den Leerständen auch die sporadische Nutzung ermittelt. Dort dürften die Ferienwohnungen anzusiedeln sein. Sie betrug auf den
Balearen insgesamt 6,9 % des Wohnungsbestandes, in Palma sogar nur 5,7 % und im Ort „Rest der Balearen“ sogar 8,6 %. Die Mehrheit der Ferienwohnungen befindet sich dann wohl eher in den kleinen
Orten und nicht in der Inselhauptstadt.
Beim „Durchsicker-Effekt“, der zu meiner Studentenzeit als „Crowding-Out“ bezeichnet wurde, vermischen Sie die Miet- und Kauf-Märkte. In Deutschland würde eine Wohnung, die sich nicht verkaufen
lässt, vermietet. In Spanien wird sie aus den von mir genannten Gründen leerstehen. Nur bei geringen Leerständen würden steigende Kaufpreise die Vermieter motivieren, ihre Wohnung bei einem
Auszug des Mieters zu verkaufen statt sie neu zu vermieten. Bei Leerständen von 18,3 % des Wohnungsbestandes und einer Vermietungsquote von 15.9 % kann man aber wirklich nicht von geringen
Leerständen sprechen. Deshalb ist die Durchlässigkeit zwischen Kauf- und Miet-Markt in beide Richtungen nicht gegeben. Weil die Zuwanderer aus Deutschland ein Immobilie kaufen und nicht mieten,
werden von ihnen nur einheimische Käufer und keine Mieter verdrängt. Der Durchsicker-Effekt bleibt dann also auf den Kauf-Markt beschränkt. Darauf hätte der Autor eingehen müssen. Wer hier keine
absichtliche Manipulation unterstellen will, müsste mindestens einräumen, die spanische Situation durch die deutsche Brille betrachtet zu haben. Ein Auslandskorrespondent sollte aber gerade das
vermeiden; wozu lebt er im Ausland?
Ihre Zustimmung zu dem Punkt, dass die Mietpreissituation in Spanien die Folge „verfehlter Politik“ ist, scheint sich in Grenzen zu halten. Dass ein überspannter Mieterschutz die Vermietung der
Masse der privaten Eigentumswohnungen verhindert, wurde in der Doku noch nicht einmal als These erwähnt, und Sie scheinen das zu billigen. Der alte römische Rechtsgrundsatz „audiatur et altera
pars“ (Es soll auch die andere Seite gehört werden.) ist im deutschen Journalismus nach Corona aber wieder zum Fremdwort geworden. Auch zum Ukraine-Krieg, zum Klimawandel, zum
Gender-Kauderwelsch + LGBTQXYZ-Exzessen wird nur noch eine Meinung dargestellt. Wenn die Problematik des angespannten Mietmarktes ein zentrales Thema des Films sein sollte, dann war dieser Film
keine Information, sondern ein Teil der heute leider üblichen öffentlich-rechtlichen Desinformation.
Der Rückgang der Verkaufsangebote nach dem Ende der Corona-Hysterie ist fast überall in Spanien zu beobachten. In Roquetas de Mar gab es bei 62.150 Wohnungen, davon 12.638 leerstehend und
7.159 sporadisch genutzt, im Portal pisos.com im Januar 2023 ca. 2.000 Verkaufsangebote. Heute waren es 925; zwischenzeitig war die Zahl auf etwa 600 gesunken. Auf Mallorca waren es Anfang 2023
ca. 6.000 Angebote; heute 6.881. Daraus kann ich anders als Sie keinen Rückgang erkennen. Das „Reservoir” an verfügbaren Wohnungen scheint nach meiner Bewertung also nicht kleiner zu sein als
angenommen. Ich muss aber einräumen, dass ich neuere Erkenntnisse der Mathematik offenbar nicht zur Kenntnis genommen habe. So habe ich Gerhard Schröders Aussage von vor über 20 Jahren, dass 3,4
% Haushaltsdefizit nicht mehr als 3 % seien, mit meinem veralteten Mathematik-Wissen schon damals nicht verstanden.
Natürlich gibt es regionale Unterschiede. So haben die im Inneren Spaniens gelegenen Regionen Kastilien / León, Kastilien / La Mancha und Extremadura zusammen 11,6 % der Bevölkerung und 14,6 %
der Wohnungen. Hier gibt es fernab des Tourismus 25,9 % Leerstände und 12,0 % sporadische Nutzungen, gegenüber 18,3 % und 6,9 % auf den Balearen sowie 17,9 % und 9,5 im Landesdurchschnitt.
Der Tourismus mindert also die Überversorgung, beseitigt sie aber nicht.
Ihr Auslandskorrespondent hätte inzwischen merken sollen, dass das Jammern in Spanien zum politischen Geschäft gehört, um EU-Subventionen abzustauben. So wurde nicht nur die Mittelmeerautobahn
mit ihren vielen Brücke und Tunneln an der Südküste von der EU finanziert; also zu 30 % von den deutschen Steuerzahlern. Die Sanierung der deutschen Autobahnbrücken wird dagegen nicht aus Brüssel
bezahlt. Hier muss der deutsche Michel 100 % aufbringen. In Roquetas de Mar wurden diesen Frühling aus EU-Mitteln die billigen Plastikpapierkörbe am Strand durch teure Metallcontainer mit
Holzverkleidung ersetzt. Am Ostufer des Golfes von Almeria wurde aus einem Renaturierungsprogramm der EU angeblich ein Strandabschnitt fernab jedes Hotels oder Campingplatzes für den Tourismus
unbrauchbar gemacht. Wahrscheinlich hat sich aber noch nie ein Tourist dorthin verirrt und die Steine, die dort ausgebracht worden sein sollen, liegen wahrscheinlich seit dem letzten
Vulkanausbruch des Cabo de Gata vor zigtausend Jahren dort. Im Nachbarort El Ejido, der Gemeinde mit dem höchsten Durchschnittseinkommen Spaniens, wird im Reichen-Ortsteil Almerimar, der für
seine Golfplätze und seinen Jachthafen bekannt ist, eine Grundschule gebaut und von der EU gefördert. Die deutschen Schulen sind dagegen baufällig und bekommen keine EU-Förderung. Mit der
angeblichen Wohnungsnot in Spanien hat die Regierung bereits EU-Gelder für 30.000 neue Sozialwohnungen locker gemacht, trotz 4,77 Mio. leerstehender Wohnungen. Und der deutsche ÖRR liefert die
Begleitmusik!
Natürlich werden es solche politisch inkorrekten Beobachtungen nie in den ÖRR schaffen; das könnte ja die EU-Verdrossenheit der Bürger befeuern und der AfD helfen. Trotz Ihrer Zurückweisung muss
ich also bei meiner Einschätzung bleiben, dass die kritisierte Doku die ausländerfeindliche Hetze des SUMAR-Umfelds verbreitet hat. Ihrem selbstdefinierten „... Anspruch, die Realität objektiv
und differenziert darzustellen, ohne eine politische Agenda zu verfolgen...“, ist der Autor nicht gerecht geworden.
Seine ideologische Brille wird spätestens am Ende des Films deutlich, als er für sein Schlusswort einen Text aus der Geographischen Rundschau vom Juli 1993 zitierte, in dem die Zerstörung der
Existenzgrundlage der Insel durch den Tourismus als Gefahr bezeichnet wurde. Ein unbefangener Journalist hätte den Nichteintritt der Prognose nach immerhin 32 Jahren als Beleg dafür gewertet,
dass die Sorge unbegründet war. Hätte der Wetterbericht von gestern Regen angesagt, und heute scheint die Sonne, hätte sich unbestreitbar der Wetterfrosch geirrt. Der Autor hat aber einen wohl
einen religionsähnlichen Glauben an den Weltuntergang. So wie die Christen seit fast 2000 Jahren das jüngste Gericht ankündigen, so verkündet die von mir kritisierte Doku die seit mindestens 32
Jahren unmittelbar bevorstehende Umweltkatastrophe. Daraus ergibt sich, dass mit ihr nicht informiert werden sollte, sondern gepredigt. Ich bitte Sie, Ihrem Prediger Sebastian Kister meinen
ausdrücklichen Dank für dieses Eigentor zu übermitteln.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Werner Müller
wurde vom HR nicht beantwortet
11. September 2025
Antwort auf Ihr Schreiben vom 7. August 2025 zum Thema „Weltspiegel - wer rettet Mallorca“
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Müller,
vielen Dank für Ihre Nachricht vom 7. August 2025, in der Sie einige kritische Anmerkungen zur Dokumentation „Wer rettet Mallorca?” äußern.
Gerne möchte ich auf die von Ihnen angesprochenen Punkte eingehen und dabei die Hintergründe und die Intention des Films näher erläutern.
Zunächst zu Ihrer Befürchtung, die Dokumentation könnte durch „unterschwellige Verallgemeinerung“ den Eindruck erwecken, die Probleme auf Mallorca seien typisch für ganz Spanien: Ich bin
überzeugt, dass wir den Zuschauern eine differenzierte Betrachtung der Thematik bieten, die klar zwischen den speziellen Gegebenheiten Mallorcas und den allgemeinen Trends im spanischen
Immobilienmarkt unterscheidet. Bereits der Titel des Films „Wer rettet Mallorca?“ verdeutlicht, dass es um die Darstellung einer spezifischen Insel mit einer besonderen Situation geht – nicht um
eine Verallgemeinerung auf ganz Spanien. Diese Differenzierung ist von zentraler Bedeutung, um den Kontext angemessen zu vermitteln.
Zu Ihrem Hinweis, dass wohlhabende Immobilienkäufer keinen Einfluss auf den Preisdruck im unteren Marktsegment hätten, möchte ich anmerken, dass die derzeitigen Preissteigerungen tatsächlich alle
Marktsegmente betreffen. Zahlreiche Experten, darunter Prof. Dr. Marco Wölfle vom Center for Real Estate Studies (CRES), haben uns bestätigt, dass die Nachfrage im oberen Preissegment – etwa
durch internationale Käufer – auch Auswirkungen auf die unteren Marktsegmente hat. Mallorca stellt hier ein anschauliches Beispiel dar. Steigende Preise im oberen Marktbereich führen nachweislich
zu einem „Durchsicker-Effekt“, der die Preisdynamik auch in den unteren Bereichen beeinflusst. Diese Zusammenhänge sind nicht nur theoretischer Natur, sondern wurden durch empirische Forschung
und Erfahrungsberichte untermauert.
Was Ihre Bemerkung zu Sebastian Kisters betrifft, der „keinerlei Anstalten gemacht hat, die Behauptungen der Demonstranten zu hinterfragen“, so bezieht sich dies vermutlich auf die Aussagen, die
im Film von den Demonstranten geäußert wurden – insbesondere auf das Transparent mit der Aufschrift „Diese Insel ist nicht zu verkaufen“. Hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Der Film
zeigt die Demonstrationen und die Sichtweise der Demonstranten, stellt deren Position jedoch nicht als Tatsachenbehauptung dar. Im Film wird vielmehr deutlich, dass der Ruf nach einem
„Nicht-Verkauf“ der Insel eine Reaktion auf die sich verändernde Eigentümerstruktur ist. Die Realität, dass viele Immobilien auf Mallorca verkauft werden, ist unbestreitbar, und dieser
Widerspruch bildet einen der zentralen Konflikte der Dokumentation.
Ein weiterer Punkt, den Sie ansprechen, betrifft die Mietpreissituation in Spanien, die Sie als Folge „verfehlter Politik“ sehen. Auch hier stimme ich Ihnen zu. Die Problematik des angespannten
Mietmarktes ist ein zentrales Thema des Films.
Wir lassen unter anderem den Anwalt Rafael Barber-Llorente ausführlich zu Wort kommen, der die politischen Versäumnisse in diesem Bereich kritisiert. Wir sind uns einig, dass diese Versäumnisse
zur aktuellen Marktsituation beitragen und eine erhebliche Belastung für die Bevölkerung darstellen.
Zu Ihrer Anmerkung bezüglich der Leerstände („viviendas vacías”) in Spanien möchte ich anführen, dass es durchaus Unterschiede zwischen den regionalen Märkten gibt. In vielen Teilen des Landes
gibt es, wie Sie richtig erwähnen, zahlreiche leerstehende Immobilien. Auf Mallorca hingegen ist der Begriff „Leerstand” nicht immer eindeutig, da er häufig auf Grundlage des Stromverbrauchs
ermittelt wird. Viele Immobilien, die statistisch als leerstehend gelten, werden saisonal genutzt oder als Ferienwohnungen vermietet und stehen somit nicht direkt dem lokalen Wohnungsmarkt zur
Verfügung. Diese Unterscheidung ist für das Verständnis der Marktlage wichtig.
In Bezug auf die Nachfrage nach Wohnraum kann ich Ihre Einschätzung teilen, dass diese in Spanien aktuell das Angebot übersteigt. Das CRES berichtet von einem Rückgang des Immobilienangebots,
insbesondere in stark nachgefragten Gebieten wie dem Südwesten Mallorcas. Dies führt zu einer immer größeren Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage, treibt die Preise weiter in die Höhe und
erschwert die Lage für Einheimische. Hier scheint das „Reservoir” an verfügbaren Wohnungen kleiner zu sein als angenommen.
Gegen eine Sache wehre ich mich allerdings entschieden: die Unterstellung, die Autoren der Dokumentation hätten sich der „Hetze” der spanischen Linkspartei angeschlossen. Als Journalisten und
Dokumentarfilmer ist es unser Anspruch, die Realität objektiv und differenziert darzustellen, ohne eine politische Agenda zu verfolgen. Unser Ziel war es, die vielschichtigen sozialen und
wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen Mallorca konfrontiert ist, aufzuzeigen. Dabei haben wir auch Proteste und Demonstrationen dokumentiert, die sich gegen spezifische Entwicklungen auf
der Insel richten. Dies impliziert jedoch keinesfalls eine politische Ausrichtung unsererseits. Im Rahmen der Recherche hat die Redaktion mit zahlreichen Betroffenen und Experten gesprochen –
nicht alle dieser Gespräche fanden letztlich Platz im Film.
Ich hoffe, dass ich Ihre Bedenken nachvollziehbar ausräumen konnte und Sie uns auch weiterhin als aufmerksamer und kritischer Zuschauer gewogen bleiben.
Mit freundlichen Grüßen
Florian Hager
Intendant
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit lege ich gegen die Fernsehsendung „Weltspiegel Doku: Wer rettet Mallorca?“ gemäß § 5 der Satzung des Hessischen Rundfunk Beschwerde ein. Sie wurde am 27.07.25 auf tagesschau24
ausgestrahlt und ist auf https://www.ardmediathek.de/video/wer-rettet-mallorca/wer-rettet-mallorca/hr/MDMxOWJjNWItMjhjOS00ZDEwLWFhYzgtNmRhZGEzNTdhODNl abrufbar. Dort ist als Datum der 17.07.25
angegeben.
Die Sendung verbreitet durch Weglassung relevanter Aspekte Falschinformationen. Dabei ist sie nur ein Beispiel der Berichterstattung von ARD und ZDF über die angebliche Wohnungsnot in Spanien,
die angeblich von Urlaubern und wohlhabenden Zuwanderern, die sich dort ein Haus oder eine Wohnung kaufen, verursacht sei.
In der ARD-Mediathek wurde folgende Inhaltangabe veröffentlicht: „Mallorca ist am Limit. Wütende Einheimische, Anti-Tourismus-Demos im Wochentakt: ,Diese Insel ist nicht zu verkaufen'. Der
Massentourismus ist schuld, heißt es meistens. Aber so einfach ist das nicht. Sebastian Kisters, Spanien-Korrespondent der ARD, hat über Monate immer wieder auf Mallorca recherchiert, mit
Gewinnern und Verlierern des Booms gesprochen. Und mit Menschen, die ihre Insel retten wollen. Die anpacken, wo die Politik nichts unternimmt. Am Ende stellt er fest: Die üblichen Verdächtigen -
das Partyvolk am Ballermann - sind nicht das Hauptproblem der Insel. Eine ganz andere Art von Tourismus belastet Mallorca deutlich mehr - egal, ob es um Wasserverbrauch oder explodierende Mieten
geht.“ Als belastende „ganz andere Art von Tourismus“ wurden dann reiche Leute identifiziert, die sich nach einem Urlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel auf der Insel ein Haus kaufen würden.
Dass diese Behauptung unlogisch ist, musste jedem kritischen Zuschauer sofort auffallen, denn Häuser in dieser Preisklasse können sich Normalbürger sowieso nicht leisten; die Käufer können also
nicht für steigende Mieten verantwortlich sein. Sebastian Kister hat auch keinerlei Anstalten gemacht, die Behauptungen der Demonstranten zu hinterfragen. So ist die Insel sehr wohl zu
verkaufen, denn die Eigentümer vieler Immobilien wollen verkaufen und aktuell Preise realisieren, die im Mittel mehr das Dreifache der Preise auf dem Festland ausmachen. Am 07.08.25 wurden auf
der Website pisos.com 6.460, davon 6.329 (= 98 %) mit einem Preis ab 180 T€. In Roquetas de Mar gab es 823 Angebote, davon 341 (= 41,4 %) ab 180 T€ und 79 (= 9,6 %) bis 60 T€; also ein Drittel
des Schwellenwertes von Mallorca und das Fünffache des relativen Angebots. Der Beitrag spielt mit der unterschwelligen Verallgemeinerung. Die Zuschauer wissen, dass es auch auf den Kanaren, in
Barcelona und Málaga touristenfeindliche Demonstrationen gab; dass sie von der SUMAR organisiert wurden, weiß der Zuschauer nicht. Der Zuschauer wird also die Aussagen für Mallorca auf alle
spanischen Urlaubsgebiete übertragen. Dies ist hochgradig manipulativ und verbreitet Desinformationen.
Die Sendung unterschlägt die Information, dass in Spanien ca. 4,77 Mio. Wohnungen leerstehen, was ca. 18 % des Bestandes sind. Dagegen sind weniger als 3 Mio. Wohnungen, 11,2 % des Bestandes,
vermietet. Die Balearen haben eine Leerstandsquote von 18,3 % und eine Vermietungsquote von immerhin 15,9 %. Nur in der Provinzhauptstadt Palma de Mallorca ist der Leerstand mit „nur“ 6,7 %
relativ niedrig, im 20 km entfernten Calvià aber mit 25,2 % überdurchschnittlich hoch. Nur Palma und Marratxí haben einstellige Leerstandsquoten; Formentera, Sencelles und Costitx haben sogar
über 40 %. Selbst die Millionenstädte Madrid und Barcelona haben mit 8,1 % und 11,3 % höhere Leerstände als Palma. Auch die Banker von Frankfurt wohnen nicht im Bankenviertel, sondern meist im
Umland von Frankfurt. Es ist deshalb extrem verzerrend, als einzigen Nachweis für die angebliche Wohnungsnot eine gekündigte Mieterin aus Palma zu zeigen, die in Palma keine bezahlbare
Mietwohnung findet.
Die große Masse der Wohnungen sind im Eigentum privater Eigentümer. Wegen eines überzogenen Mieterschutzes und fehlender Rechtssicherheit stellt es für sie ein unkalkulierbares Risiko dar, ihre
Wohnungen privat zu vermieten. Die Deutschen, die sich in Spanien ein Haus oder eine Wohnung kaufen, werden in diesem großen Reservoir fündig und nehmen keinem Spanier die Wohnung weg. Zu den
weiteren Daten verweise ich auf meine Veröffentlichung auf https://tkp.at/2025/08/06/trotz-wohnungsnot-477-mio-leerstehende-wohnungen-in-spanien/ vom 06.08.25, wo Daten des spanischen
Statistikinstituts veröffentlicht auf https://www.ine.es/dyngs/INEbase/operacion.htm?c=Estadistica_C&cid=1254736177108&menu=resultados&idp =1254735572981#_tabs-1254736195867,
ausgewertet wurden. Die Berichterstattung von ARD und ZDF lassen auch die Hausbesetzerproblematik weg. Illegale Hausbesetzer sind in Spanien besser geschützt als rechtmäßige
Eigentümer.
Die ARD unterhält ein Studio in Madrid. Den Mitarbeitern müssen die vielen Schilder „se vende“ (zu verkaufen) in den Fenstern aufgefallen sein. Das INE hat auf seine Daten mit einer
Pressemitteilung hingewiesen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass professionelle Journalisten den Hintergrund übersehen haben sollen, den ein ausländischer Privatmann mühelos erkennen und
die Details recherchieren konnte. Ich muss also vermuten, dass die Propaganda der SUMAR absichtlich verbreitet wird. Es trifft zu, das es in Spanien schwer ist, eine Mietwohnung zu finden. Das
ist aber das Ergebnis einer verfehlten Politik und nicht die Schuld der Touristen oder Einwanderer.
Ich bin im Ruhestand und habe mit gemeinsam mit meiner Frau eine Wohnung in Spanien gekauft, um hier den Lebensabend zu verbringen. Durch die Gesamtheit der Desinformationen von ARD und ZDF sehe
ich mich persönlich verunglimpft. Ich habe keinem Mieter seine Wohnung weggenommen. Hätte ich sie nicht gekauft, hätte sie die Zahl der leerstehenden Wohnungen vermehrt. Die Verkäuferin wollte
sie wegen der geschilderten Risiken ausdrücklich nicht vermieten.
Ich habe zur Kenntnis genommen, dass die ausländerfeindlichen Proteste in Spanien aus dem Umfeld der Regierungspartei SUMAR organisiert werden, um die Deutschen und Briten zu Sündenböcken für
eine verfehlte Wohnungspolitik zu machen. Vermutlich wollen sie die leerstehenden Wohnungen unter stattliche Zwangsverwaltung stellen, statt den Eigentümern mit einer Liberalisierung des
Mietrechts die private Vermietung ihrer Wohnungen zu ermöglichen. Schließlich lassen die ihre Wohnungen nicht zum Vergnügen leerstehen. Angesichts der großen Zahl leerer Wohnungen und der
niedrigen Zahl der Mietwohnungen werden aber auch viele Wähler der Sozialisten leerstehende Eigentumswohnungen haben, z.B. als Erbe ihrer Eltern. Es ist nicht hinnehmbar, wenn sich das
öffentlich-rechtliche Fernsehen dieser Hetze aus Richtung der spanischen Linkspartei gegen die eigenen Landsleute anschließt.
Ich bitte Sie, diese Einseitigkeit zu korrigieren und eine Weltspiegel-Doku zu erstellen, die die Leerstände und ihre Gründe zum Thema hat. Weiter sollte Sie sich auf deutschen Auswanderern im
Rentenalter annehmen, und zwar ohne Framing! So wie Sie in der beanstandeten Sendung die gekündigte Mieterin unkommentiert zu Wort kommen ließen, müssen auch die Auslandsdeutschen ihre
Wahrnehmung unkommentiert schildern dürfen.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Werner Müller