Corona und Demografie

 

 

Die gemeldeten Covid-19-Neuinfektionen wie auch Todesfälle nehmen seit Anfang Mai 2020 ständig ab. Es ist jetzt möglich, die vorliegenden Statistiken jetzt auszuwerten.

 

Risikogruppe ab 80

 

In den 3 Monaten zwischen dem 07.03. und dem 30.07.20 sind lt. Robert-Koch-Institut 9.143 Menschen in Deutschland mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Im Durchschnitt der Jahre 2017-19 (Zahlen für 2020 liegen nur bis zum 05.07. vor) sind zwischen dem 07.03. und dem 30.07. 257.239 Menschen gestorben. Von den Corona-Toten waren 63,0 % 80 Jahre oder älter, im Durchschnitt 2017-19 waren es 54,7 %. Die Zahlen in Einzelnen:

 

    Ø 17-19   Corona       Ø 17-19   Corona   Diff.
  < 30   3.132   12   0,4%   0,9%   0,1%   -85,0%
30-49   9.445   102   1,1%   2,6%   1,1%   -57,8%
50-59   23.012   326   1,4%   6,4%   3,6%   -44,6%
60-69   43.150   883   2,0%   12,1%   9,7%   -20,0%
70-79   83.076   2.055   2,5%   23,3%   22,5%   -3,3%
80-89   128.908   4.041   3,1%   36,1%   44,2%   22,6%
90+   66.516   1.715   2,6%   18,6%   18,8%   0,8%
    357.239   9.134   2,6%   100,0%   100,0%    

 

  

Die interne Verteilung der Todesfälle nach Altersgruppen (rechter Teil der Tabelle) zeigt ein deutlich geringeres Risiko der Altersgruppen unter 60, weshalb ältere Menschen zur Risikogruppe erklärt wurden. Bei den Jüngeren haben tödliche Unfälle aber eine sehr viel größere Bedeutung als bei den Gruppen ab 80.

   

Es muss auch erwähnt werden, dass sich die Zahl der Menschen ab 80 in den letzten 30 Jahren verdoppelt hat. Jedes Jahr kommen etwa 700.000 hinzu und 10 % der Altersgruppe stirbt. Ein Anstieg der Todesfälle um jährlich 20.000 kann demografisch mit dem immer höheren Alter erklärt werden. 2017 stieg die Zahl um 26.027 und 2018 um 19.085. 2019 war wegen der ausgebliebenen Grippewelle ein atypisches Jahr; hier ging die Zahl der Sterbefälle sogar um 3.202 zurück. Das bedeutet, dass in 2020 sogar ein Anstieg von 40.000 demografisch erklärt werden könnte.

   

Aus den aktuell verfügbaren Zahlen bis zum 05.07. gab es 2020 489.925 Sterbefälle (der 29.02. wurde wegen der Vergleichbarkeit herausgerechnet) um im Dreijahresdurchschnitt 500.900. Mit Corona sind also bisher in 2020 10.975 Menschen weniger gestorben als ohne Corona!

  

Abb. 1: Sterblichkeit bis zum 05.07.2020

Quelle: eigene Berechnung aus Daten des Statistischen Bundesamtes

  

Deutschland ist Anfang Mai wieder bei einer durchschnittlichen Sterblichkeit angekommen. Im April war eine Erhöhung feststellbar.

  

Die in 2000 ausgebliebene Grippewelle ist eher ungewöhnlich. Die geschwächten Menschen, in normalen Jahren mit Grippewelle an ihr gestorben wären, sind jetzt mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Eine Gegenüberstellung mit 2019 und dem Dreijahresdurchschnitt 2016-18 zeigt hier eine starke Übereinstimmung von 2019 mit dem Durchschnitt. Dagegen gab es im Sommer 2019 4 erkennbare Übersterblichkeitswellen, die von der Politik nicht beachtet wurden. Schließlich könnten sie auf den Klimawandel zurückgeführt werden, für den die Politiker verantwortlich gemacht werden können.  
 

Abb. 2: Sterblichkeit 2019

Quelle: eigene Berechnung aus Daten des Statistischen Bundesamtes

  

Wenn man die Daten nach Jahren (statt 3-Jahres-Durchschnitt) und Altersgruppen (< 60, 60-79, ab 80) trennt und für 2017-19 das ganze Jahr betrachtet, sieht man trotz des „Grundrauschens“ folgende Details:

 

Abb. 3: Sterblichkeit nach Jahren und Altersgruppen

Quelle: eigene Berechnung aus Daten des Statistischen Bundesamtes

    

In den Grafiken wird durch die Vorjahresdaten verdeckt, dass die Todesfälle in 2020 in der Gruppe ab 80 ziemlich konstant zwischen 1.400 und 1.600 Fällen täglich lag und in der Gruppe 70-79 zwischen 240 und 260. Bei 80+ gab es Ende März eine leichte Erhöhung und Mitte April einen deutlichen Rückgang.

 

Abb. 4: Todesfälle in 2020 im fortgeschrittenen Alter

Quelle: eigene Berechnung aus Daten des Statistischen Bundesamtes

  

Würde man die Corona-Toten herausrechnen, dann wäre in der Gruppe ab 80 die Entwicklung bis Anfang April konstant geblieben, und Mitte April hätte es einen starken Abfall gegeben. Das wäre vor Allem vor dem Hintergrund der eher niedrigen Fälle in 2019 ziemlich unlogisch. Viel plausibler wäre die These, dass die mit Corona verstorbenen Patienten auch ohne Corona verstorben wären – vielleicht 3-4 Wochen später.

 

Diese These wird gestützt, wenn man den Drei-Jahres-Durchschnitt berücksichtigt. In der Altergruppe ab 80 sieht man ab Ende April eine deutliche Untersterblichkeit. Aber auch in der Gruppe 60-79 ist ein Minus-Abstand erkennbar. Dagegen ist die sehr deutliche Untersterblichkeit bis Ende März mit der ausgebliebenen Grippewelle zu erklären. Diese wurde in der Statistik durch Corona ersetzt, und Corona war dabei sehr viel schwächer. 

  

Es wird von der Regierung erklärt, nur durch die entschlossenen Maßnahmen seien Zustände wie in Spanien und Italien verhindert worden. Dazu kann man zu dem Einwand kommen, dass die Beschränkungen in Spanien und Italien schärfer waren, und dann trotzdem nichts genützt hätten. Wenn man mit sanfteren Beschränkungen bessere Zahlen vorweisen kann, hätte man mit noch sanfteren dann nicht noch bessere Zahlen gehabt?

  

Um die Aussage zu bewerten, sollte man sich zunächst die Lage in Spanien und Italien im Vergleich zu Deutschland ansehen.

 

Abb. 5: gemeldete Infektionen in Spanien, Italien und Deutschland

Quelle: Johns-Hopkins-Universität

  

Der Verläufe ähneln sich. In Italien begannen die Infektionen früher und die Zahlen blieben länger hoch.

  

Die Zahlen aus Spanien werden von Gesundheitsministerium sehr gut nach Altersgruppen aufgeschlüsselt:

 

Abb. 6: Coronafälle in Spanien

Quelle: spanisches Gesundheitsministerium, https://cnecovid.isciii.es/covid19/

  

Die Altersverteilung unterscheidet sich kaum von Deutschland. Auch die spanische Gesellschaft ist stark gealtert. Ein Unterschied in Spanien und Italien zu Deutschland ist die weite Verbreitung der Großfamilien mit mehreren Generationen in einem Haushalt. Hier wird es mehr Gelegenheiten gegeben haben, dass Kinder und Jugendliche, die sich symptomfrei infiziert hatten, ihre Großeltern ansteckten.

 

Alte Menschen sterben nicht plötzlich, sondern allmählich. Sie verlässt langsam die Kraft und bei Krankheiten, die junge Menschen schnell überstehen, reicht ihre Kraft dann eines Tages nicht mehr aus. Nach einem erfüllten Leben ist ein würdevoller Tod im Kreis der Familie einem längeren Leben in Einsamkeit mit einem Tod auf einer Intensivstation vorzuziehen. Leben ist mehr als die Summe von Körperfunktionen!

Und der Altersaufbau unserer Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verändert. 1950 waren 84,4 % unter 60, 2020 sind es nur noch 69,5 %. Der Anteil der Gruppe 80+ ist auf das 6,7fache gestiegen.

Abb. 7 Altersgruppen 1950-2020 

 

Quelle: Statistisches Bundesamt, https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/index.html


Einige Zahlen im Detail:

 

 

 <20

 20-39

 40-59

 60-79

ab 80

1950

29,1%

26,3%

29,1%

14,4%

1,2%

1960

26,7%

28,8%

25,8%

16,8%

1,8%

1970

28,6%

27,8%

22,5%

18,8%

2,4%

1980

25,1%

28,1%

26,4%

17,3%

3,2%

1990

20,4%

31,6%

26,6%

17,1%

4,3%

2000

20,0%

28,1%

27,0%

20,6%

4,3%

2010

17,3%

23,8%

31,3%

21,7%

5,9%

2020

17,4%

24,3%

27,8%

22,4%

8,1%

  

Bei einer ständig steigenden Zahl alter Menschen ist ein Auf und Ab der Todesfälle bei der Gruppe ab 80 unvermeidbar. Die Politiker sollten auch vor einer Bundestagswahl nicht versuchen, den Menschen ein ewiges Leben zu versprechen. Sie würden noch den letzten Rest ihrer Glaubwürdigkeit verlieren!

  

 

 

Analyse aus dem BMI

BMI = Bundesinnenministerium                         Der Verfasser wurde vom Dienst suspendiert

 

Vollständiger Text    (93 Seiten):               https://www.ichbinanderermeinung.de/Dokument93.pdf

 

 

Zusammenfassung der Analyseergebnisse

 

1.) Das Krisenmanagement hat in der Vergangenheit (leider wider besseren institutionellen Wissens) keine adäquaten Instrumente zur Gefahrenanalyse und –bewertung aufgebaut. Die Lageberichte, in denen alle entscheidungsrelevanten Informationen zusammen gefasst werden müssten, behandeln in der laufenden Krise bis heute nur einen kleinen Ausschnitt des drohenden Gefahrenspektrums. Auf der Basis unvollständiger und ungeeigneter Informationen in den Lagebildern ist eine Gefahreneinschätzung grundsätzlich nicht möglich. Ohne korrekt erhobene Gefahreneinschätzung kann es keine angemessene und wirksame Maßnahmenplanung geben. Das methodische Defizit wirkt sich bei jeder Transformation auf eine höhere Ebene aus; die Politik hatte bisher eine stark reduzierte Chance, die sachlich richtigen Entscheidungen zu treffen.

 

2.) Die beobachtbaren Wirkungen und Auswirkungen von COVID-19 lassen keine ausreichende Evidenz dafür erkennen, dass es sich – bezogen auf die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft – um mehr als um einen Fehlalarm handelt. Durch den neuen Virus bestand vermutlich zu keinem Zeitpunkt eine über das Normalmaß hinausgehende Gefahr für die Bevölkerung (Vergleichsgröße ist das übliche Sterbegeschehen in DEU). Es sterben an Corona im Wesentlichen die Menschen, die statistisch dieses Jahr sterben, weil sie am Ende ihres Lebens angekommen sind und ihr geschwächter Körper sich beliebiger zufälliger Alltagsbelastungen nicht mehr erwehren kann (darunter der etwa 150 derzeit im Umlauf befindlichen Viren). Die Gefährlichkeit von Covid-19 wurde überschätzt. (innerhalb eines Vierteljahres weltweit nicht mehr als 250.000 Todesfälle mit Covid-19, gegenüber 1,5 Mio. Toten während der Influenzawelle 2017/18). Die Gefahr ist offenkundig nicht größer als die vieler anderer Viren. Wir haben es aller Voraussicht nach mit einem über längere Zeit unerkannt gebliebenen globalen Fehlalarm zu tun. – Dieses Analyseergebnis ist von KM 4 auf wissenschaftliche Plausibilität überprüft worden und widerspricht im Wesentlichen nicht den vom RKI vorgelegten Daten und Risikobewertungen.

 

3.) Dass der mutmaßliche Fehlalarm über Wochen unentdeckt blieb, hat einen wesentlichen Grund darin, dass die geltenden Rahmenvorgaben zum Handeln des Krisenstabs und des Krisenmanagement in einer Pandemie keine geeigneten Detektionsinstrumente enthalten, die automatisch einen Alarm auslösen und den sofortigen Abbruch von Maßnahmen einleiten würden, sobald sich entweder eine Pandemiewarnung als Fehlalarm herausstellte oder abzusehen ist, dass die Kollateralschäden – und darunter insbesondere die Menschenleben vernichtenden Anteile – größer zu werden drohen, als das gesundheitliche und insbesondere das tödliche Potential der betrachteten Erkrankung ausmacht.

 

4.) Der Kollateralschaden ist inzwischen höher ist als der erkennbare Nutzen. Dieser Feststellung liegt keine Gegenüberstellung von materiellen Schäden mit Personenschäden (Menschenleben) zu Grunde! Alleine ein Vergleich von bisherigen Todesfällen durch den Virus mit Todesfällen durch die staatlich verfügten Schutzmaßnahmen (beides ohne sichere Datenbasis) belegen den Befund. Eine von Wissenschaftlern auf Plausibilität überprüfte überblicksartige Zusammenstellung gesundheitlichen Kollateralschäden (incl. Todesfälle) ist unten angefügt.

5.) Der (völlig zweckfreie) Kollateralschaden der Coronakrise ist zwischenzeitlich gigantisch. Ein großer Teil dieses Schadens wird sich sogar erst in der näheren und ferneren Zukunft manifestieren. Dies kann nicht mehr verhindert, sondern nur noch begrenzt werden.

 

6.) Kritische Infrastrukturen sind die überlebensnotwendigen Lebensadern moderner Gesellschaften. Bei den Kritischen Infrastrukturen ist in Folge der Schutzmaßnahmen die aktuelle Versorgungssicherheit nicht mehr wie gewohnt gegeben (bisher graduelle Reduktion der prinzipiellen Versorgungssicherheit, die sich z.B. in kommenden Belastungssituationen niederschlagen kann). Die Resilienz des hochkomplexen und stark interdependenten Gesamtsystems Kritischer Infrastrukturen ist gesunken. Unsere Gesellschaft lebt ab sofort mit einer gestiegenen Verletzlichkeit und höheren Ausfallrisiken von lebenswichtigen Infrastrukturen. Das kann fatale Folgen haben, falls auf dem inzwischen reduzierten Resilienzniveau von KRITIS eine wirklich gefährliche Pandemie oder eine andere Bedrohung eintreten würde.
UN-Generalsekretär António Guterres sprach vor vier Wochen ein grundlegendes Risiko an. Guterres sagte (laut einem Tagesschaubericht vom 10.4.2020): „Die Schwächen und mangelhafte Vorbereitung, die durch diese Pandemie offengelegt wurden, geben Einblicke darin, wie ein bioterroristischer Angriff aussehen könnte - und [diese Schwächen] erhöhen möglicherweise das Risiko dafür.“ Nach unseren Analysen ist ein gravierender Mangel in DEU das Fehlen eines adäquaten Gefahrenanalyse und –bewertungssystem in Krisensituationen (s.o.).

 

7.) Die staatlich angeordneten Schutzmaßnahmen, sowie die vielfältigen gesellschaftlichen Aktivitäten und Initiativen, die als ursprüngliche Schutzmaßnahmen den Kollateralschaden bewirken, aber inzwischen jeden Sinn verloren haben, sind größtenteils immer noch in Kraft. Es wird dringend empfohlen, sie kurzfristig vollständig aufzuheben, um Schaden von der Bevölkerung abzuwenden – insbesondere unnötige zusätzliche Todesfälle – , und um die möglicherweise prekär werdende Lage bei den Kritischen Infrastrukturen zu stabilisieren.

 

8.) Die Defizite und Fehlleistungen im Krisenmanagement haben in der Konsequenz zu einer Vermittlung von nicht stichhaltigen Informationen geführt und damit eine Desinformation der Bevölkerung ausgelöst. (Ein Vorwurf könnte lauten: Der Staat hat sich in der Coronakrise als einer der größten fake-news-Produzenten erwiesen.)

 

 

Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich:

 

a) Die Verhältnismäßigkeit von Eingriffen in Rechte von z.B. Bürgern ist derzeit nicht gegeben, da staatlicherseits keine angemessene Abwägung mit den Folgen durchgeführt wurde. Das BVerfG fordert eine angemessene Abwägung von Maßnahmen mit negativen Folgen (PSPP Urteil vom 5. Mai 2020).
b) Die Lageberichte des Krisenstabs BMI-BMG und die Lagemitteilungen des Bundes an die Länder müssen daher ab sofort

   +   eine angemessene Gefahrenanalyse und -bewertung vornehmen.
   +   eine zusätzliche Abteilung mit aussagekräftige Daten über Kollateralschäden enthalten
          (siehe z.B. Ausführungen in der Langfassung)
   +    befreit werden von überflüssigen Daten und Informationen, die für die Gefahrenbewertung

           nicht erforderlich sind, weil sie die Übersicht erschweren.
   +    Es müssten Kennzahlen gebildet und vorangestellt werden.
c) Es ist unverzüglich eine angemessene Gefahrenanalyse und –bewertung durchzuführen. Anderenfalls könnte der Staat für entstandene Schäden haftbar sein.

 

Gemeinsame Pressemitteilung der externen Experten des Corona-Papiers aus dem Bundesministerium des Innern

11.05.2020

Mit Verwunderung nehmen wir, die an der Erstellung des besagten Corona-Papiers beratend beteiligten Ärzte und Wissenschaftler/Wissenschaftlerinnen, die Pressemitteilung des Bundesministeriums des Innern (BMI) vom 10. Mai:
„Mitarbeiter des BMI verbreitet Privatmeinung zum Corona-Krisenmanagement Ausarbeitung erfolgte außerhalb der Zuständigkeit sowie ohne Auftrag und Autorisierung“
zur Kenntnis. Das Ministerium schreibt in dieser Pressemitteilung: „Die Ausarbeitung erfolgte nach bisheriger Kenntnis auch unter Beteiligung Dritter, außerhalb des BMI.“ Wir gehen davon aus, dass mit Dritter wir, die Unterzeichnenden, gemeint sind.

Dazu nehmen wir wie folgt Stellung.

Wir setzen voraus, dass das BMI ein großes Interesse daran hat, dass seine Spezialisten, denen die überaus wichtige Aufgabe anvertraut ist, krisenhafte Entwicklungen zu erkennen und durch rechtzeitiges Warnen Schaden von Deutschland abzuwenden, sowohl mit konkretem Auftrag handeln als auch in Eigeninitiative tätig werden. Der entsprechende Mitarbeiter des BMI hat sich bei der Erstellung der Risikoanalyse zur Einschätzung der medizinischen Kollateralschäden durch die „Corona-Maßnahmen“ im Wege einer fachlichen Anfrage an uns gewandt.

Getragen von der Verantwortung, unterstützten wir den engagierten BMI Mitarbeiter bei der Prüfung dieser essentiellen Frage nach bestem Wissen und Gewissen, neben unserer eigentlichen beruflichen Tätigkeit. Renommierte Kollegen und Kolleginnen, allesamt hervorragende Vertreter ihres Fachs, nahmen zu konkreten Fragen auf der Basis der angefragten Expertise sachlich Stellung. Daraus resultierte eine erste umfangreiche Einschätzung der bereits eingetretenen sowie der drohenden medizinischen Schäden, einschließlich zu erwartender Todesfälle.

Der BMI Mitarbeiter hat anhand unserer Arbeit eine Einschätzung vorgenommen und das Ergebnis an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Sie finden das betreffende Dokument im Anhang dieser Pressemitteilung. Dass dies aufgrund der Kürze der Zeit nur der Anfang einer noch umfangreicheren Prüfung sein kann, steht außer Frage. Aber unsere Analyse bietet unseres Erachtens eine gute Ausgangslage für das BMI und die Innenministerien der Länder, den möglichen Nutzen der Schutzmaßnahmen gegenüber dem dadurch verursachten Schaden gut abzuwägen. Unserer Auffassung nach müssten die adressierten Fachbeamten aufgrund dieses Papiers eine sofortige Neubewertung der Schutzmaßnahmen einleiten, für die wir ebenfalls unseren Rat anbieten.

In der Pressemitteilung gibt das BMI deutlich zu erkennen, dass es diese Analyse jedoch nicht berücksichtigen wird. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass das zuständige Bundesministerium eine derart wichtige Einschätzung auf dem Boden umfassender fachlicher Expertise ignorieren möchte. Aufgrund des Ernstes der Lage muss es darum gehen, sich mit den vorliegenden Sachargumenten auseinanderzusetzten – unabhängig von der Entstehungsgeschichte. 

Deshalb fragen wir:

    Wieso hat das BMI das Ansinnen des Mitarbeiters nicht unterstützt und wieso bezieht das BMI die nun vorliegende umfangreiche Analyse auf dem Boden fachlich hochwertiger externer Expertise nicht bei seiner Einschätzung bezgl. des Verhältnisses von Nutzen und Schaden der Corona-Schutzmaßnahmen ein?

Das BMI schreibt weiter in seiner Pressemitteilung:
„Die Bundesregierung hat in Folge der Corona-Infektionsgefahren zum Schutz der Bevölkerung Maßnahmen ergriffen. Diese werden innerhalb der Bundesregierung fortlaufend abgewogen und regelmäßig mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder abgestimmt.“

Wir bitten das BMI:
    uns zeitnah mitzuteilen, wie genau diese Abwägung stattfindet. Wir bitten dies anhand von Daten, Fakten und Quellen nachzuweisen. Gerne würden wir dies mit unserer Analyse vergleichen. Angesichts der aktuell teilweise katastrophalen Patientenversorgung wären wir beruhigt, wenn diese Analyse zu einer anderen Einschätzung führt als der unsrigen, was uns derzeit jedoch schwer vorstellbar erscheint.

Des Weiteren schreibt das BMI:
„Das Infektionsgeschehen in Deutschland ist im internationalen Vergleich bislang eher niedrig. Die ergriffenen Maßnahmen wirken.“

In Übereinstimmung mit der internationalen Fachliteratur teilen wir diese Feststellung bzgl. der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen nur bedingt. Wir bitten das BMI deshalb im Sinne der Transparenz:
    die Quellen offenzulegen, nach denen es zu dieser Feststellung kommt.

Fazit:
Insgesamt haben wir auf Anfrage eines couragierten Mitarbeiters des BMI die vielfältigen und schweren unerwünschten Wirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen im medizinischen Bereich aufgezeigt und diese sind gravierend. Für uns ergibt sich aus dem gesamten Vorgang der Eindruck, dass nach einer sicher schwierigen Anfangsphase der Epidemie nun die Risiken nicht im notwendigen Maß und insbesondere nicht in einer umfassenden Risikobetrachtung bedacht worden sind. Bezüglich der Berichterstattung zu diesem Vorgang bitten wir darum, die inhaltliche Wertigkeit unserer Analyse in das Zentrum zu stellen, und über uns, in Amt und Person, der ernsten Situation angemessen zu berichten. Die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste Erkrankung Covid-19 verläuft für viele Menschen der bekannten Risikogruppen schwerwiegend. Wie für jede schwere Infektionserkrankung gilt es, für die Patienten die beste Behandlung zu finden und Infektionswege zu unterbinden. Aber therapeutische und präventive Maßnahmen dürfen niemals schädlicher sein als die Erkrankung selbst. Ziel muss es sein, die Risikogruppen zu schützen, ohne die medizinische Versorgung und die Gesundheit der Gesamtbevölkerung zu gefährden, so wie es gerade leider geschieht. Wir in Wissenschaft und Praxis sowie sehr viele Kolleginnen und Kollegen erleben täglich die Folgeschäden der Corona-Schutzmaßnahmen an unseren Patienten. Wir fordern deshalb das Bundesministerium des Innern auf, zu unserer Pressemitteilung Stellung zu nehmen und hoffen auf eine sachdienliche Diskussion, die hinsichtlich der Maßnahmen zur bestmöglichen Lösung für die gesamte Bevölkerung führt.
 
Gezeichnet:

Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Universitätsprofessor für Medizinische Mikrobiologie (im Ruhestand) Universität Mainz

Dr. med. Gunter Frank, Arzt für Allgemeinmedizin, Mitglied der ständigen Leitlinienkommission der Deutschen Gesellschaft für Familienmedizin und Allgemeinmedizin (DEGAM), Heidelberg

Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Dipl.-Soz. Dr. Gunnar Heinsohn, Emeritus der Sozialwissenschaften der Universität Bremen

Prof. Dr. Stefan W. Hockertz, tpi consult GmbH, ehem. Direktor des Instituts für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie am Universitätskrankenhaus Eppendorf

Prof. Dr. Dr. rer. nat. (USA) Andreas S. Lübbe, Ärztlicher Direktor des MZG-Westfalen, Chefarzt Cecilien-Klinik

Prof. Dr. Karina Reiß, Department of Dermatology and Allergology University Hospital Schleswig-Holstein

Prof. Dr. Peter Schirmacher, Professor der Pathologie, Heidelberg, Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Prof. Dr. Andreas Sönnichsen, Stellv. Curriculumsdirektor der Medizinischen Universität Wien, Abteilung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin.

Dr. med. Til Uebel, Niedergelassener Hausarzt, Facharzt für Allgemeinmedizin, Diabetologie, Notfallmedizin, Lehrarzt des Institutes für Allgemeinmedizin der Universität Würzburg, akademische Lehrpraxis der Universität Heidelberg

Prof. Dr. Dr. phil. Harald Walach, Prof. Med. Universität Poznan, Abt. Pädiatrische Gastroenterologie, Gastprof. Universität Witten-Herdecke, Abt. Psychologie 4