Corona und Inflation

 

 

Beurteilung der Sorge, nach der

Pandemie käme eine starke Inflation

 

 

 

Politik der 50er und 60er Jahre

 

Während der Asiatischen Grippe 1957/58 mit 30-50.000 Toten in der BRD und einer unbekannten Zahl in der DDR und während der Hongkong-Grippe 1968-70 mit ca. 40.000 Toten in der BRD und 12.500 in der DDR war es ein politischer Konsens in allen Parteien, dass das öffentliche Leben nicht heruntergefahren werden darf und dass eine natürliche Immunisierung erreicht werden müsse, die dann auch eingetreten ist. Eine Impfung wurde damals einhellig abgelehnt. Es gab keinen Lockdown, keine Schulschließungen, keine Maskenpflicht, keine Grenzschließungen (von der Mauer, die sich nicht gegen die Grippe richtete, einmal abgesehen) und auch keine Demonstrationsverbote während der Studentenproteste. Die Bundesliga hatte volle Stadien, und die Deutschen sind nicht ausgestorben. 1968 gab es Olympische Spiele, 1969 das Woodstock-Festival und 1970 eine Fußball-WM, alle mit Publikum. In den Medien fanden die damaligen Pandemien nicht statt.

 

Das war die richtige Politik! Ludwig Ehrhard und Karl Schiller waren als Wirtschaftsminister für diese Entscheidung mitverantwortlich, und sie waren Professoren für Volkswirtschaftslehre. 12 bzw. 23 Jahre nach Kriegsende und 34 bzw. 45 Jahre nach der großen Inflation von 1923 wussten sie, dass man dem Volk nicht schon wieder einen Totalzusammenbruch zumuten konnte, und dass man nicht leichtfertig an der Geldmengenschraube drehen darf. Der jetzige Wirtschaftsminister kommt als gelernter Verwaltungsjurist zu einer anderen Einschätzung als seine Vorgänger. 76 Jahre nach Kriegsende und 98 Jahre nach der Inflation werden die Politiker wieder leichtsinnig. Dieser Text soll deshalb die Ereignisse der großen Inflation, die im Oktober 1923 ihren Höhepunkt erreichte und mit der Einführung der Rentenmark am 15.11.23 beendet wurde, wieder in Erinnerung rufen.

 

In der aktuellen Bundesregierung sitzen Juristen, Verwaltungsfachwirte, Politologen und Soziologen[1], aber keine ausgewiesenen Wirtschaftsfachleute wie die früheren Wirtschaftsminister Ludwig Erhard oder Karl Schiller. Für den jetzigen Wirtschaftsminister als Verwaltungsjurist mit Befähigung zum Richteramt, aber ohne Befähigung zur Unternehmensführung, gilt der Satz: judex non calculat – Richter rechnen nicht. Als Wirtschaftsminister sollte er aber schon rechnen! Im März 2020 hätte er sich an seinen fünf Fingern abzählen können, dass die Kosten für einen mehrmonatigen Lockdown nicht zu bezahlen sind. Und der Finanzminister, ebenfalls mit Befähigung zum Richteramt und ohne Befähigung zum Rechnen, hält Steuergelder für die Munition einer Bazooka, die er verballert um einen Wumms zu erzeugen. Aber auch den beiden Bankkaufleuten in der Regierung, denen die seit 500 Jahren in den Schulen gelehrte Rechentechnik des Adam Riese nicht völlig fremd sein sollte, haben hier nicht interveniert.

 

Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Geld der Bürger ist von dieser Regierung nicht zu erwarten.

   

 

Sorge wegen Inflationsgefahr

  

Am 14.12.2020 hielt Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn, Präsident a.D. des ifo Instituts seine alljährliche Weihnachtsvorlesung von 18:00 bis 19:30 Corona-bedingt per Video aus den Räumen des ifo-Instituts. Sie trug den Titel „Corona und die wundersame Geldvermehrung in Europa“ und sie gipfelte in der Feststellung, dass die mit der mit der Lehman-Krise, der Griechenland-Krise und jetzt der Corona-Krise verbundene Ausweitung der Geldmenge durch die EZB das Potential für einen Wertverlust des Euro um 84 % erreicht hat[2], wenn diese Geldmenge auf den Gütermärkten ankommen würde.

  

Der Verfasser schrieb am 19.10.2020 im Rahmen einer Expertenanhörung für die Enquete-Kommission „Corona-Pandemie“ des Landtags von Rheinland-Pfalz: „Es ist absehbar, dass ein massiver Subventionsabbau zur Finanzierung der ‚dicken Rechnung‘ wie schon immer an den Lobbyisten scheitern wird. Massive Steuererhöhungen wären auch nicht politisch durchsetzbar, und sie würden die Wirtschaft abwürgen. Also bleibt nur die Finanzierung über die EZB und am Ende ein Weginflationieren der Schulden!“ [3]

  

Auch Investment-Banker sehen zukünftige Inflationsgefahren. Am 10.08.2020 schrieb Tilmann Galler von J.P. Morgan Asset Management: „Die inflationäre Wirkung expansiver Geldpolitik wurde durch die restriktive Fiskalpolitik quasi neutralisiert. Und genau hier wird es jetzt mit Blick in die Zukunft interessant, denn es scheint, dass die Coronakrise einen Paradigmenwechsel beschleunigt, der schon vor der Krise begonnen hat – den Abschied von der Austerität.“ [4]

  

 

Am 15.02.2021 ging in den USA ein Zitat des Chief Investment Officers der Bank of America (BofA) durchs Netz, der angesichts der Inflationsgefahr von „Weimar 2.0“[1] sprach. Die BofA erinnerte daran, dass die USA in den letzten 12 Monaten ein Haushaltsdefizit von 3,5 Mrd. USD (17% BIP) verzeichnet haben, verbunden mit der Zuführung von 13,3 Mrd. USD in die globale Zentralbankliquidität (15% BIP). [2]

 

 

 

Er verweist auf die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und die Inflation in Deutschland zum Ende des 1. Weltkriegs.

 

 

 

Abb. 1: Umlaufgeschwindigkeit in Deutschland zum Ende des 1. Weltkriegs

 

 

 

Quelle: Bank of America, zitiert nach https://www.zerohedge.com/

 

markets/bofa-hints-weimar-20-could-be-coming

 

 

 

Aus der Entwicklung nach der folgenden Grafik, die die Erträge aus Finanzanlagen im Verhältnis zu denen aus Sachanlagen sowie die Inflationsrate (CPI = Consumer Price Index) darstellt, sieht er wegen des Auseinanderfallens beider Entwicklungen ab etwa 2015 angesichts des ähnlichen Verlaufs in den 60 Jahren zuvor ein Anzeichen für den Beginn einer Inflation mit Verweis auf Deutschland. Seine Aussage: Wir glauben, dass 2020 ein säkulares Tief in Bezug auf Zinsen / Inflation und die 20er Jahre ein wahrscheinliches Jahrzehnt von Inflationsvermögen … markiert. (“we believe 2020 marked secular low for rates/inflation, and 2020s likely decade of inflation assets”) [3]

 

 

 

Abb. 2: höhere Inflation = Sachanlagen übertreffen Finanzanlagen