Beruf


Berufsbezeichnungen, die ich auf der Grundlage einer bestandenen Prüfung führen darf:

Industriekaufmann
Betriebswirt                        (der Diplomgrad ist nicht
Volkswirt                                  Teil der Berufsbezeichnung)
geprüfter Bilanzbuchhalter
zertifizierter Verwalter nach § 26a Wohnungseigentumsgesetz

Doktor der Wirtschaftswissenschaften ist ein akademischer Grad und keine Berufsbezeichnung. Für meine Berufung zum Professor habe ich keine Prüfung absolvieren müssen.

 

Zertifizierter Verwalter


Die Verwaltung von Wohnungseigentümergemeinschaften (Eigentumswohnungen) ist im Tagesgeschäft eigentlich nur eine einfache kaufmännische Tätigkeit. Bis 2018 war die nicht reglementiert. Dann wurden eine Erlaubnispflicht und die Pflicht zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung eingeführt. 2020 wurde mit Wirkung ab 2022 eine Pflicht zur Ablegung einer Prüfung eingeführt. Die mussten die IHKs erst noch organisieren. Außer bei kleinen Einheiten mit bis zu 8 Wohnungen, bei denen eine Selbstverwaltung durch einen Miteigentümer zugelassen wurde, dürfen Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) nur noch durch Zertifizierte Verwalter vertreten werden. Bei kleinen Einheiten kann eine Minderheit von mindestens 30 % einen Zertifizierten Verwalter verlangen.  

Bisher war die WEG-Verwaltung eine interessante Nebentätigkeit für Frauen, weil sie weitgehend vom Telefon und Computer ausgeführt werden kann. Die Prüfung wird aber viele von ihnen abschrecken. Lt. Anlage 1 zu § 1 Satz 1 ZertVerwV sind die Prüfungsgegenstände:

1.       Grundlagen der Immobilienwirtschaft
1.1     Gebäudepläne, Bauzeichnungen und Baubeschreibungen
1.2     Relevante Versicherungsarten im Immobilienbereich
1.3     Umwelt- und Energiethemen im Immobilienbereich

2.         Rechtliche Grundlagen
2.1       Wohnungseigentumsgesetz
2.1.1     Begründung von Wohnungs- und Teileigentum
2.1.2     Teilungserklärung, Aufteilungsplan und Gemeinschaftsordnung
2.1.3     Rechtsfähige Gemeinschaft der Wohnungseigentümer
2.1.4     Rechtsverhältnis der Wohnungseigentümer untereinander und zur Gemeinschaft
              der Wohnungseigentümer
2.1.5     Rechte und Pflichten der Wohnungseigentümer
2.1.6     Wohnungseigentümerversammlung
2.1.7     Bestellung und Abberufung des WEG-Verwalters, Verwaltervertrag
2.1.8     Rechte und Pflichten des WEG-Verwalters
2.1.9     Rechte des Verwaltungsbeirats
2.2        Bürgerliches Gesetzbuch
2.2.1     Allgemeines Vertragsrecht
2.2.2     Mietrecht
2.2.3     Werkvertragsrecht
2.2.4     Grundstücksrecht
2.3        Grundbuchrecht
2.4        Zivilprozess- und Zwangsvollstreckungsrecht
2.5        Berufsrecht der Verwalter
2.5.1     Gewerbeordnung
2.5.2     Makler- und Bauträgerverordnung
2.5.3     Rechtsdienstleistungsgesetz
2.6        Sonstige Rechtsgrundlagen
2.6.1     Heizkostenverordnung
2.6.2     Trinkwasserverordnung
2.6.3     Energierecht

3.          Kaufmännische Grundlagen
3.1        Allgemeine kaufmännische Grundlagen
3.1.1     Grundzüge ordnungsgemäßer Buchführung
3.1.2     Externes und internes Rechnungswesen
3.2        Spezielle kaufmännische Grundlagen des WEG-Verwalters
3.2.1     Sonderumlagen/Erhaltungsrücklage
3.2.2     Erstellung der Jahresabrechnung und des Wirtschaftsplans
3.2.3     Hausgeld, Mahnwesen

4.       Technische Grundlagen
4.1     Baustoffe und Baustofftechnologie
4.2     Haustechnik
4.3     Erkennen von Mängeln
4.4     Verkehrssicherungspflichten
4.5     Erhaltungsplanung
4.6     Energetische Gebäudesanierung und Modernisierung
4.7     Altersgerechte und barrierefreie Umbauten
4.8     Fördermitteleinsatz; Beantragung von Fördermitteln
4.9     Dokumentation

Die schriftliche Prüfung, die ich am 27.09.22 abgelegt habe, hatte eine Gewichtung von 50 % Rechtliche Grundlagen, 22,5 % Technische Grundlagen, 17,5 % Kaufmännische Grundlagen und 10 % Grundlagen der Immobilienwirtschaft. Für das Bestehen müssen in jedem Teilbereich mindestens 50 % erreicht werden. Für die Prüfung also wird ein interdisziplinäres Berufsbild aus Wirtschaftsjurist und Bauingenieur definiert, der dann viele Mandate braucht und sich wohl nicht mehr um die einzelnen Wohnungseigentümer kümmern kann. Die Kleinstunternehmer, die mit wenigen Mandaten und niedrigen Kosten nahe an den Wünschen der Menschen waren, sollen wahrscheinlich aus dem Markt gedrängt werden.